Hobby Radio&TV

Die Anfänge

Als Fünfjähriger hatte ich bereits meinen ersten Kassetten-Radio-Rekorder, mit dem ich nicht nur – wie vielleicht viele andere – Kinderkassetten anhörte, sondern auch die Radiofunktion intensiv nutzte, und ständig am Frequenzband hin und her drehte, um immer wieder irgendwo lustige Musik hören zu können. Zusätzlich hatte ich auch schnell heraus, wie viel Spaß die Aufnahmefunktion auf Leerkassetten machte, was man da alles mit dem eingebauten Mikrofon für Geräusche und Stimmen aufnehmen und immer wieder abspielen konnte. Und auch vom Radio konnte man damit natürlich aufnehmen, und so entstanden schon sehr früh meine ersten „Mixtapes“ (mit einem chaotischen Durcheinander an Schnipseln verschiedener Radioprogramme – nicht nur Musik, sondern auch Moderation!).

Als im März 1987 in Augsburg mit Radio Kö und Radio Tele 1 die ersten Privatsender on Air gingen, war ich frühmorgens in meinem Kinderzimmer mit dem Radiowecker live mit dabei – ein besonderer und erregender Moment für mich! (Dazu habe ich übrigens dieses nette YouTube-Video gefunden: Lebendiges Augsburg – Stadtchronik 01/1987: Radio-Start in Augsburg. Ausserdem findet man viele interessante Infos zum Privatradiostart in Bayern u.a. auf FM Kompakt). Schon davor erfreute ich mich daran, dass man in Augsburg neben dem Bayerischen Rundfunk auch das amerikanische AFN empfangen konnte – auch wenn ich natürlich kein Wort Englisch verstand, aber es klang einfach richtig cool!

Mir macht es vor allem immer Spaß, immer wieder neues zu entdecken, und daher war es nicht genug, nur Augsburger Sender zu empfangen, denn schnell fand ich heraus, dass noch mehr zu empfangen war, wenn man die Antenne etwas bewegte (oder gar auf’s Dach verlegte). Dafür gibt es sogar einen offiziellen Begriff: Das DXen. Und so schaffte ich es in Augsburg später auch Münchner Lokalradios oder weitere Fernsehsender zu empfangen! Meine Highlights, über deren Programm ich mich sehr erfreute, waren im Radio Star*Sat Radio (später 89HitFM) und im Fernsehen das damalige Tele5. Aber auch als wir unsere erste Satelliten-Schüssel hatten, war ich immer wieder in Versuchung, auch hier mehr als die üblichen Programme empfangen zu können, und da damals viele Berichterstattungen noch unverschlüsselt über Satellit liefen, war das eine besondere Freude, wenn man so etwas plötzlich auf dem Bildschirm hatte.

TestbildGenerell erstreckte sich mein Interesse auch auf Fernsehprogramme, nicht nur Radio. Ich hatte schon sehr früh auch einen eigenen Fernseher in meinem Kinderzimmer (während meiner Grundschulzeit) und schaute da vermutlich viel mehr, als mir als Kind gut getan hätte… Von allen möglichen Kinderfilmen und Zeichentrickserien über Spielshows (daher Tele5 als Lieblingssender) bis zu Wrestling Shows, richtigen Spielfilmen und morgens dem Frühstücksfernsehen der Privatsender. Zum Glück war es damals noch üblich, dass nachts Sendeschluss war und irgendwann nur noch Testbilder zu sehen waren.

Dadurch, dass mein Onkel Fernsehelektriker war, konnte mir dieser viele interessante technische Spielereien basteln, was auch mein eigenes Interesse an Elektronik natürlich sehr motivierte (ich hatte auch diese üblichen Kinderbastelkästen für Elektronik und Chemie). Eine Bastelei, die ich da von meinem Onkel bekam, war ein kleines Mischpult, mit dem ich in der Lage war, Musik vom Schallplattenspieler zu spielen und mit einem Mikrofon gleichzeitig dazu zu sprechen und das ganze sogar aufzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt begann ich mit meinen eigenen kleinen privaten Kinderzimmer-Radioshows, die natürlich nur auf Kassette aufgenommen wurden und sonst niemand hören konnte (und durfte – wäre zu peinlich gewesen :-)). Aber schon bald bezog ich all meine Schulfreunde mit ein und machte immer wieder virtuelle Radiosendungen mit diesen zusammen. Das machte doch vielen recht viel Spaß, konnte sich ja jeder mit einbringen und viel Blödsinn machen, und viel schöne Musik lief auch noch dazu. Dabei war mein Vorbild nach wie vor das echte Radio, sprich, auch meine Sendungen hatten neben der Musik und der Moderation auch Jingles, Nachrichten, Werbung und Gewinnspiele – natürlich alles nur erfunden und nicht real. Aber gerade diese Kreativität hier machte besonders Spaß! „Radio SRA – Siggis Radio Augsburg“ 🙂

Mein Traumberuf war daher damals eindeutig Radio-Moderator.

Aber tatsächlich machte ich ähnliches sogar auch in Sachen Fernsehen, als wir neben dem VHS-Videorekorder auch die erste Videokamera für die Familie hatten und ich meinen Computer bereits so gut programmieren konnte, dass ich von Senderlogo bis hin zu kleinen Animationen alles selbst basteln konnte. Dann gab es tatsächlich auch gelegentlich hausgemachtes Fernsehen, „STV – Siggi TV“, das natürlich ebenfalls nie jemand sonst zu sehen bekam.

Aber im Verhältnis ist Fernsehen auch viel aufwändiger als Radio und es läuft weniger Musik, so dass meine Leidenschaft doch weiterhin hauptsächlich dem Medium Radio gewidmet war.

Wo das Fernsehen auch einen Einfluss auf mich hatte, war bei der Gestaltung der legendären Kindergeburtstage zu meiner Schulzeit, die mit Spielen gefüllt waren, die sich an bekannten Fernsehrateshows orientierten und wofür ich komplette grafisch an das TV-Original angelehnte Programme auf meinem Computer geschrieben hatte. Ich hatte damals so ein bisschen meine Schwierigkeiten damit, dass meine Freunde einfach nur Spaß haben wollten und nicht unbedingt immer nach meinen Regeln sich in einer virtuellen TV-Show befinden wollten…

Kontakt mit der Realität

Wie oft stellte ich mir vor, wenn ich Radio hörte, wie es wäre, selbst dort im Studio zu sein, und vor allem auf der alljährlichen Augsburger Frühjahrsmesse wurde oft von den verschiedenen Sendern „Radio zum Anschauen“ gemacht, wenn aus gläsernen Sendestudios live gesendet wurde. Doch dann gab es eines Tages tatsächlich die Möglichkeit, beim kleinen Augsburger Lokalradio Skyline (sendete zusammen mit Radio Fantasy) im Studio dabei zu sein und da passierte es dann leider, dass mir die Realität zeigte, wie das da wirklich abläuft und welche „Maschinerie“ doch tatsächlich dahinter steckt (und was der Moderator eigentlich alles gar nicht selbst macht…)

In diesem Moment erfuhr meine große Begeisterung einen großen Dämpfer. Dies hatte zur Folge, dass bei allen Möglichkeiten, wo ich später vielleicht ein Praktikum bei den Sendern hätte machen können, gar nicht mehr so interessiert war. Dennoch blieb mein allgemeines Interesse am Medium Radio erstaunlicherweise weiterhin sehr groß, und so nutzte ich die Gelegenheit, als ich viele Jahre später während meines Studiums beim Ausbildungsradio M94.5 mitmachen konnte, hier für einige Monate doch auch viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Ein Teil davon war natürlich auch eine journalistische Grundausbildung, wobei ich sowieso als Nebenfach in meinem Studium bereits Kommunikationswissenschaft studierte. Aber die entscheidendere Erfahrung war mehr die Ellbogen-Mentalität, die man in den Medienberufen sehr deutlich zu spüren bekommt. Ausserdem gibt es immer sehr viele Regeln, Vorgaben und Restriktionen, und erfolgreich sind eigentlich immer die, die sich in gewissem Rahmen darüber hinweg setzen – und die, die es wenig kümmert, was andere denken. Passte alles leider nicht so wirklich zu mir.

Dennoch habe ich in meiner Dropbox ein paar Beiträge und Aircheck-Mitschnitte aus dieser Zeit zum Anhören hinterlegt, weil ich doch auch stolz darauf bin, was ich damals produziert habe: Link zur Dropbox mit M94.5-Mitschnitten

Ausserdem beschäftigte mich auch immer die Thematik, wie denn so die Berufsaussichten in der Branche wären, und so hielt ich z.B. Kontakt zu einigen Freunden, die bereits im Radio tätig waren und fühlte immer wieder einmal nach, wie deren Leben denn so aussieht. Großes Einkommen gab es nicht zu erwarten – ein Studienkollege, der mit mir Informatik zu studieren begonnen hatte und das dann abbrach, um bei Radio Energy in München zu arbeiten (heute ist er beim BR), lebte noch sehr lange Zeit in einer WG. Er bekräftigte auch immer wieder, dass es definitiv kein leichter Weg sei, aber er sei glücklich. Für mich eine schwierige Vorstellung – im Verhältnis zu meinen Berufs- und Verdienstmöglichkeiten in der IT-Branche…

Das grundsätzliche Interesse an Radio und TV verlor ich dabei aber irgendwie dennoch nie, und dazu gehörte neben dem Entdecken und Erkunden des Programmangebots auch ein allgemeines Interesse an Programmstrukturen, On-Air-Design und auch der Entwicklungen der Medienunternehmen. Ich las ganz begeistert auch Medienzeitschriften, wie z.B. die InfoSat (die ich auch benötigte, um mit darin enthaltenen Frequenztabellen den Sat-Receiver immer wieder auf neue Programme einzustellen) oder das Radio Journal.

Das Internet verändert alleshappyradio_screenshot2-300x238

Mit der Entwicklung des Internets veränderten sich auch die Möglichkeiten zur Ton- und Videoübertragung über dieses neue Medium, und natürlich fand ich gerade das auch besonders spannend.

RealNetworks begann als einer der ersten diverse Internetstreams anzubieten, zunächst nur Audio, später sah ich auch spezielle

Live-Videostreams von irgendwelchen Hacker-Veranstaltungen oder Messen, oder man konnte auf einmal Livecams von überall auf der Welt sehen.

Diese Technologie-Entwicklung ermöglichte mir, meinen Traum vom eigenen Radio in die Realität umzusetzen, das zwar nicht terrestrisch von allen empfangen werden konnte, aber es auch nicht musste. Mir war die kleine Hörerschaft im Internet sogar lieber, die es mir ermöglicht und erlaubt hat, dies als reines Hobby unabhängig von wirtschaftlichen Absichten und Abhängigkeiten umsetzen zu können.

Ich besaß zudem alle technischen Voraussetzungen und alles Wissen, um das gesamte Webradio-Projekt HappyRadio ab 1998 komplett eigenständig aufbauen zu können. Es war wie das „Radio-Spielen“ der Kindheit, nur dass auf einmal andere zuhören konnten. Und es war ein Experiment, ein ganz spannendes und besonderes. Sowohl von den technischen Aspekten (die Qualitätsmöglichkeiten der Streaming-Technologien veränderten sich laufend und es war spannend, hier mit experimentieren zu können!) als auch den konzeptionellen und inhaltlichen, egal ob es sich auf das Musikschema, das Programmschema oder auf die Interaktionsmöglichkeiten bezog, die zusätzlich durch das Internet gegeben waren, wie es bis dato das normale Radio nicht kannte und auch nicht nutzen konnte.

Noch lange vor den sozialen Netzwerken, wie wir sie heute kennen, hatte für mich schon damals alles soziale, das ich in diese Plattform einbauen konnte, einen hohen Stellenwert, so dass es nicht nur einen Chat oder Foren gab, sondern auch die Möglichkeit der Hörer, das Programm aktiv mitzugestalten und ihre Grüße dabei mit zu übermitteln.

Moralische Unterstützung fand ich hierbei von Anfang an durch die Bekanntschaft mit Privatradiopionier Jo Lüders, den ich zufällig, als ich in einer Münchner Mailbox eingeloggt war, da kennenlernte und der meine Idee vom Webradio sofort selbst sehr spannend fand. Wir haben uns dann in der Folge gegenseitig unterstützt, ich ihn technisch (zur Umsetzung seines eigenen Webradios), er mich inhaltlich (er gestaltete auch Sendungen bei HappyRadio). Das war für mich eine ganz besondere Erfahrung, diesen Menschen kennen zu dürfen.

Mehr dazu unter der eigenen Rubrik Webradio.

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