Qualitätsmaßstab Noten

Dass unser klassisches Schulsystem immer wieder in der Kritik steht, ist nichts neues. Aber was mich überraschte und jetzt auf dieses Thema brachte, dass ich doch tatsächlich im Zusammenhang einer Bewerbung bei einem Unternehmen als IT-Dienstleister im Projektgeschäft nach meinen Schulnoten gefragt wurde, und sogar nicht nur nach den Diplomprüfungsnoten. Ich habe über die letzten Jahre schon sehr viele Bewerbungen erlebt, aber darauf legte eigentlich nie eine Firma großen Wert – glücklicherweise.

Meine Noten waren nämlich nie besonders, eigentlich etwas ganz typisches für einen „Nerd“, der nicht erkennt, warum dies wichtig ist, und sich lieber auf interessante Inhalte, statt Lernen für Prüfungen konzentriert. Es hat mich richtig verärgert, zu sehen, dass jemand nach solchen Kriterien bewertet und seine Kandidaten aussucht.

Ich verstehe schon, dass es für die Firmen generell bei der Flut an unqualifizierten Bewerbungen wichtig ist, irgendwelche Kriterien für das erste Ausfiltern zu finden, aber wenn dazu schulische Leistungen hergenommen werden, dann ist das eigentlich ein trauriges Zeichen. Denn, welche Qualitäten lassen sich damit ermitteln?

Dass jemand in der Lage ist, Dinge zu lernen und wieder zu geben, und dabei vor allem, und darum geht es vermutlich, alles genau nach Vorgabe, in ein System passend, zu dem System gehörend – eine „brave Arbeiterdrohne“.

Ich habe es schon oft erlebt, dass Schüler (oder Studenten an der Uni) gute Noten erzielt haben, die im Grunde die Dinge dahinter gar nicht richtig verstanden und erfasst haben, aber alles sehr gut wieder geben konnten, genau so, wie es die Vorgabe verlangt, während andere (zu denen ich mich auch zähle) eigentlich viel mehr verstanden haben, aber es nicht nach Vorgabe wiedergeben können (oder wollen!), und diese dann natürlich schlechter bewertet werden.

Schul- und Notensysteme sind nur für „Geradedenker“, nicht für „Querdenker“.

Aber natürlich klar, unsere Wirtschaft, unsere Welt benötigt vermutlich viel mehr Geradedenker. Verstehe ich schon. Aber es muss auch Platz für die Querdenker geben – überall!

An dieser Stelle wollte ich gerne das beliebte Beispiel „Einsteins schlechte Schulnoten“ bringen, doch dann wurde ich hier eines Besseren belehrt: Fokus Wissen – Irrtümer der Geschichte: Einstein war ein schlechter Schüler

Bei mir geht die Abneigung gegen Bewertungen sogar noch weiter, weil ich generell einfach nicht gerne von anderen klassifiziert werden möchte, eingeordnet in irgendwelche Kategorien oder gar Schubladen.

 

Mich interessiert einfach viel zu viel und vieles unterschiedliches. Ich will in keinen Maßstab passen, ich will keinen Vorgaben entsprechen. Ich will möglichst immer alle Möglichkeiten offen haben.

Auch meine Entscheidung, dass ich nicht promovieren wollte, obwohl ich zwei Mal die Gelegenheit dazu hatte, hängt damit zusammen, und auch der Hintergrund, dass ich diverse Eignungstests und Einstellungstests überhaupt nicht leiden kann, und auch dass man aus meinem Lebenslauf eigentlich nicht klar herauslesen kann, was genau ich wirklich gut kann und gerne tue.

Ich habe in den Forschungsprojekten auf den Promotionsstellen viel Freude am Forschen und Experimentieren gehabt und auch an den Ergebnissen, aber der Teil, bei dem es dann darum geht, dass man das alles publiziert und sich eine „Reputation“ erarbeitet, da wurde es bei mir problematisch. Hier würde man der „Fachexperte“ zu einem Thema – und wenn auch nur für eine gewisse Zeit, aber das wollte ich nicht sein.

Ich will generell nicht bewertet und beurteilt werden, erst recht nicht nach einzelnen Fähigkeiten, Taten und Ergebnissen. Ich will einfach angenommen werden, als Mensch, ganzheitlich, der viel mehr ist und kann, als das, was man in einzelnen Fällen jeweils sehen und messen kann.

Ich will auch deswegen kein Experte sein, weil ich gerne überall helfen möchte, wo ich kann, mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, für jeden einzelnen Fall einzeln, und nicht nur da, wo andere glauben und entscheiden, dass ich mich am besten einbringen kann.

Aber das ist natürlich sehr schwierig, vor allem, wenn es um einen festen Job geht. Auf der Basis funktioniert unsere Welt nunmal eben nicht. Wir leben nach dem Prinzip der Arbeitsteilung und daher benötigt es spezialisierte Menschen für spezialisierte Aufgabenbereiche.

Für mich als Charakter „wildes Tier“ (ich mache meinem Sternzeichen Löwe alle Ehre!) ist das leider nicht einfach, aber ich hoffe dennoch, weiterhin, wie bisher, meinen Weg zu finden, indem manche Entscheider doch glücklicherweise immer wieder auch entscheiden, dass so ein Charakter manchen Teams in der Mischung vielleicht auch gut tut.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s