Der Hase mit der Uhr

Wer erinnert sich noch an den Hasen aus Alice im Wunderland, der immer auf seine Uhr schaut und nie Zeit hat?

Ein Freund brachte es vor kurzem auf, als er doch tatsächlich mich mit diesem Hasen verglich und meinte, ich hätte auch solche Züge. Und leider musste ich ihm bei genauer Betrachtung Recht geben: Ich habe sehr oft das Gefühl, dass ich nicht genügend Zeit habe und sie mir davon rennt, dass ich ihr quasi immer hinterher laufen muss.

Ich denke, da bin ich in der heutigen Zeit aber gar nicht alleine damit. Es sind die Umstände, in denen wir leben, in denen es uns so gut geht – zu gut, dass wir so viele Möglichkeiten überall sehen und feststellen, dass die Zeit niemals dafür genügt.

Hinzu kommt, dass das Zeitempfinden sich mit dem Älterwerden immer weiter verändert. Man fragt sich doch immer, wieso ausgerechnet die Senioren immer so hektisch sind und keine Zeit haben, müssten doch gerade sie wieder alle Zeit der Welt haben. Tja, nein, sie empfinden leider (größtenteils unterbewusst), dass ihre Lebenszeit so langsam zu Ende geht und haben das Gefühl, sie müssten noch so viel machen (vielleicht auch ganz unterbewusst), also zählt jede Minute, jede Sekunde.

Dafür muss man aber gar nicht erst in dieses Alter kommen, alleine der Unterschied zwischen dem Kindsein und dem Erwachsenenleben ist hier schon gewaltig und kennt sicherlich jeder. Als Kind hat man unendlich viel Zeit und alles dauert ewig. Die Dinge, mit denen man sich beschäftigt sind sehr wenige, vom Umfeld bekommt man wenig mit. Die Möglichkeiten, die man hat, sind sehr beschränkt. Und man muss sich gleichzeitig um nichts kümmern, um das sich die Eltern alles kümmern.

Als Erwachsener sieht das schon ganz anders aus und es kommt jedes Jahr mehr dazu: Mehr Erfahrungen, mehr Verpflichtungen, vielleicht auch mehr familiäre. Natürlich hat man dann automatisch viel weniger Zeit.

Im Vergleich zu vielen Freunden hab ich allerdings noch relativ viel Zeit und verständlicherweise sind andere neidisch darauf, wie viel Freizeitaktivitäten und Hobbies ich regelmäßig pflegen kann. Und dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass ich noch so vieles weiteres machen und erleben wollen würde.

„You can do anything – but you can’t do everything!“

Interessanterweise aber kommt auch noch hinzu, dass ich’s oft nicht „Jetzt“ machen will, dass ich gerne im jeweiligen Augenblick verweilen möchte – vielleicht sogar auch mal nichts tun.

Und dann bin ich jedes Mal erneut verwundert, wenn es dann plötzlich viel „später“ ist, und ein Termin drängt oder die restliche Zeit nicht mehr genügt, für das, was eigentlich noch alles gemacht werden sollte oder wollte.

Es hängt beides damit zusammen, zu akzeptieren, dass die Zeit sich ständig von selbst weiter bewegt, auch wenn ich still stehe. Es ist etwas, über das wir keinen Einfluss haben, keine Kontrolle. Und genau da liegt die Beschränkung dessen, was wir tun können und was wir mit unserer Zeit anfangen.

Alles ist im Fluss, alles ist vergänglich. Das ist in vielen Fällen nicht so einfach anzunehmen, nicht nur wenn geliebte Menschen nicht mehr da sind, es genügen auch schon andere kleinere Veränderungen von Dingen, an denen man hing (in meinem Fall sogar schon immer bereits, wenn Arbeitskollegen, mit denen ich mich gut verstand, die Firma verließen).

Interessanterweise wird das auch immer schwieriger, je älter man wird. Ich denke, das liegt daran, dass im jungen Alter noch so viel vor einem liegt, noch so viel Zeit, so viele Möglichkeiten, während man noch wenig kennengelernt hat, zu dem man eine besondere Bindung hat, aber natürlich mit wachsendem Alter kehrt sich das immer mehr um.

Man darf sich davon natürlich nicht verrückt machen lassen, aber das ist gar nicht so einfach. Das Gefühl, dass einem die Zeit davon läuft und sie ständig genutzt werden muss wird nämlich leider auch noch durch die Entwicklung unserer heutigen Gesellschaft unterstützt.

Es ist nämlich keine rein subjektive Illusion, das Gefühl zu haben, dass sich heute die Welt insgesamt „schneller dreht“, als früher. Es ist eine allgemeine Entwicklung, es ist der „Fortschritt“, es sind die Möglichkeiten, vor allem auch durch die Digitalisierung und dadurch mit veränderte Kommunikation – wir kommunizieren mehr denn je. Wir leben im Informationszeitalter! Und nicht nur die Möglichkeiten sind insgesamt gewachsen, auch die Vielfalt, in jedem einzelnen Bereich, wir stehen immer wieder vor einer unglaublich großen Auswahl, wie es sie früher so nicht gab.

Es werden heute tatsächlich viel viel mehr Entscheidungen in viel kürzerer Zeit von uns verlangt!

Kleiner Tipp, um ein Gefühl für den Unterschied der heutigen Welt zu früher zu spüren bzw. zu sehen: Schaut euch mal einen alten Film aus den 70er Jahren an und dann einen aktuellen, es muss nicht einmal ein Action-Film sein, aber natürlich z.B. an einem James Bond  Film sieht man es am deutlichsten 🙂

 

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